Lebenshilfe NRW will Gewaltprävention weiter professionalisieren

Falk Terlinden im Gespräch mit Selbstvertretern beim Fachtag Gewaltprävention der Lebenshilfe NRW

Die Lebenshilfe NRW hat am Donnerstag auf ihrem Fachtag „Gewaltprävention“ im Haus Hammerstein, in Hückeswagen ihre Schulung zur „zertifizierten Gewaltpräventions- und Schutzfachkraft“ in der Eingliederungshilfe vorgestellt, welche sie ab 2019 anbieten wird. „Die Idee zu einer solchen Weiterbildung besteht seit 15 Jahren. Jüngere Ereignisse haben uns dazu animiert diese berufliche Weiterbildung nun zu entwickeln. Es gibt bereits Weiterbildungen zu Schutzfachkräften für einzelne Themen, wie sexualisierte Gewalt oder Gewalt gegen Frauen, aber eine so umfassende Weiterbildung zur Gewaltprävention ist uns für NRW nicht bekannt“, sage Falk Terlinden, Fachbereichsleiter Bildung bei der Lebenshilfe NRW und davor viele Jahre Leiter einer Wohnstätte in der Eingliederungshilfe.

„Gewaltprävention ist kein schönes Thema, aber ein sehr wichtiges. Als ich die Bilder einer TV-Reportage im vergangenen Jahr gesehen habe, in der Misshandlung in Einrichtungen der Lebenshilfe dokumentiert wurden, hat mich das sehr belastet, es hat mich wütend gemacht“, sagte der Landesgeschäftsführer der Lebenshilfe NRW, Herbert Frings zu Beginn der Fachtagung. Doch die Reportage habe auch Dinge in Gang gebracht und das Thema Gewaltprävention nochmal stärker auf die Agenda aller Lebenshilfen gesetzt.

„Es freut mich, dass die Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen das Thema weiter professionalisieren will. Es ist ein wichtiger Kompass zur Justierung unserer Haltung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung in aufkommenden sozialpolitisch stürmischen Zeiten. Menschen mit einer geistigen Behinderung haben ein höheres Risiko Gewalt zu erleben“, erklärte die Bundesgeschäftsführerin der Lebenshilfe Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust. In ihrem Vortrag betonte Sie, dass es wichtig ist, wenn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter Situationen bei Leitungen ansprechen oder melden, die sie für fragwürdig halten. Sie wies in dem Zusammenhang auch nochmal auf die Bundesweite unabhängige Beschwerdestelle der Lebenshilfe (Bubl) hin, die seit Dezember 2017 existiert. „Ich würde es jedoch begrüßen, wenn es eine bundesweite Beschwerdestelle des Bundes geben würde, als Zeichen der Verantwortungsübernahme – immerhin zahlt der Bund viele Leistungen der Eingliederungshilfe.“ Das Deutschland hier Nachholbedarf hat, hatte auch der Ausschuss der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) bereits angemerkt, erklärte sie weiter.

„Gewalt ist nicht zu verhindern, wir dürfen uns nicht immunisieren, dass Gewalt in unseren Einrichtungen nicht passiert. Auf jeden veröffentlichten Fall kommen 1.000 unveröffentlichte Fälle“, erklärte Michael Katzer von der Katholischen Hochschule Münster. „Gewaltprävention ist eine Leitungsaufgabe für die es einen langen Atem benötigt. Und in die dazugehörige Netzwerkarbeit gehört zwingend die Selbstvertretung der Menschen mit Behinderung“, fügte Katzer an.

Zum Fachtag
Zum Fachtag waren über 60 Vertreterinnen und Vertreter der 76 Orts- und Kreisvereinigungen der Lebenshilfen aus Nordrhein-Westfalen gekommen. Er war eine von vielen Reaktionen auf die TV-Reportage eines Privatsenders, der Gewalt in Einrichtungen der Lebenshilfe bundesweite öffentlich gemacht hatte. Im Dezember 2017 hatte die Bundesvereinigung Lebenshilfe in enger Abstimmung mit ihren Landeverbänden die Bundesweite unabhängige Beschwerdestelle für die Lebenshilfe (Bubl, www.bubl.de) gestartet, an die sich Menschen mit Behindern, Angehörige, Freunde und Mitarbeiter der Lebenshilfe, auch anonym, wenden können, wenn sie Herabwürdigung oder Gewalt in Einrichtungen der Lebenshilfe erleben mussten. Die Lebenshilfe ist bundesweit die erste Organisation der Eingliederungshilfe, die eine solche unabhängige Beschwerdestelle hat. Bis heute gab es laut Nicklas-Faust rund 100 Beschwerden, davon jedoch glücklicherweise keine mit schweren Gewalttaten. Dennoch betonte Sie, dass Bubl noch bekannter gemacht werden müsse.

Zur Schulung
Die acht dreitägigen Module der zertifizierten Schulung Gewaltpräventions- und Schutzfachkraft der Lebenshilfe NRW besteht aus acht dreitägigen Seminarwochen. Die Behandelten Module umfassen untere andrem Trauma bei Menschen mit Behinderung, rechtliche Grundlagen und ethische Fragestellungen, Menschenwohl, gewaltfreie Kommunikation und Konfliktlösung sowie Beratungskompetenzen. Die Schulung wird ab 2019 von der Lebenshilfe NRW angeboten. Für weiter Informationen stehe der Bildungsbereich der Lebenshilfe NRW gerne zur Verfügung.

Text und Foto: Philipp Peters

Die Vorschläge der Lebenshilfe-Räte aus NRW zur Gewaltprävention
 
 

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